Wanderwochenende "Rigi" 12 vom 22. - 24. August 2008
1. Tag: Fahrt ins Ungewisse
Die letzten wichtigsten Informationen haben wir in kurzer Form im Vorfeld erhalten. „Glustig“ gemacht, aber ohne grosse Details zu kennen, wissen wir, dass unsere dreitätige Reise in die südliche Westschweiz gehen wird. Unter dem Motto „Un voyage de 1820 – 1987“ fuhren 19 Teilnehmer, auf zwei Kleinbusse verteilt, bei schönstem Wetter gegen Süden. Rege Unterhaltungen bei einer kleinen Zwischenverpflegung an Bord liessen die Zeit im Nu vergehen.
Gegen Mittag erreichten wir das Wallis und steuerten auf ein Weingut zu. Nicht irgendein Weinbauer, sondern das Weingut von Michel Boven in Chamoson, welcher zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen für seine Weine gewonnen hat. Bei einem kleinen Lunch durften wir zahlreiche prominente Weine seiner Kellerei probieren.
Die Weiterfahrt führte uns nach Sion, wo wir mit kundiger Führung eine Stadtbesichtigung erlebten. „Vestiges Romains“, das „Maison Supersaxo“, und vieles mehr bis zum Bürgerhaus. Nach einem kleinen Rundgang durch das „Hôtel de Ville“ wurden wir von der „Bourgoisie de Sion“ zum Apéro eingeladen.
Nach dem Apéro ging es weiter in die Höhe und nach kurzer Fahrt und einigen Schritten erreichten wir die „Passerelle à Farinet“. Auf 800 Meter Höhe liegt die nach dem Falschmünzer Joseph-Samuel Farinet (1845 – 1880) benannte Hängebrücke über einer Schlucht. Eine Promenade über die Hängebrücke und dann den Weinreben entlang führte uns hinunter zum Dorf Saillon.
Nach dem Zimmerbezug in Saillon trafen wir uns zum nächsten Apéro; Anlass war der Geburtstag von Ruedi. Beim anschliessenden Raclette-Abend mit drei verschiedenen Käsesorten wurde festgestellt, dass immerhin eine Person das Reisemotto richtig interpretieren konnte: Eric fand heraus, dass die Reise von Montreux (PLZ 1820) bis Hérémence (PLZ 1987) geht. Ein ereignisreicher und abwechslungsreicher Tag ging zu Ende.
2. Tag: Gewöhnung ans Ungewisse
Der Besuch des 1967 bis 1971 vom Basler Architekten Walter Förderer erbauten modernen Kunstwerkes aus Stahl, Zement, Sand und Glas, eingebettet in das Walliser Bergdorf Hérémence war unsere erste Etappe an diesem Tag. Die katholische Kirche ist ein schlichter, aber monumentaler Betonbau und ganz untypisch für ein kleines Wallisser Bergdorf.
Nach einer kurzen Fahrt kamen wir am Fuss des Stauwerks Grande Dixence an. Wir stehen vor der höchsten Mauer der Welt. Mit 285 Metern Höhe und am Fuss eine Tiefe von 200 Metern ein imposantes Bauwerk aus 15 Millionen Tonnen Beton, schwerer als die Cheops-Pyramide. Dank Führung durch einen kleinen Teil der über 32 Km langen Gänge verirrten wir uns nicht im kühlen Innern des riesigen Stauwerks, das innert drei Minuten die Leistung eines grossen Atomkraftwerks liefern kann.
Wieder zurück an der Sonne brachte uns die Seilbahn an den Ausgangspunkt für unsere Wanderung in 2370 Meter Höhe am Fusse des Lac des Dix. Die einfachere Tour ging gemütlich am See entlang, während die grosse etwa vierstündige Wanderung um den Mont Blava über den Col des Roux auf 2804 Metern wieder hinunter an den Lac des Dix führte. Auf etwa der Hälfte der grossen Route legten wir unsere Mittagspause in der Cabane de Prafleuri auf 2660 Metern ein und verzehrten unseren mitgebrachten Lunch bei schönstem Sonnenschein. Weiter ging’s bei prächtigem und für das Wandern angenehmen Wetter. Herrliche Aussichten und ab und zu einen Steinbock begleiteten unseren Marsch in den Bergen. Zurück am Ausgangspunkt der Wanderung ging es mit der Seilbahn wieder an den Fuss der Staumauer, wo wir den Rückweg antraten.
Aber wie langsam gewohnt nicht auf dem direkten Weg, nein eine weitere Sehenswürdigkeit überraschte uns. Nach kurzer Fahrt hielten wir an, um eigenartige Steinsformationen zu besichtigen. Die sogenannten Pyramiden von Euseigne haben ihren Ursprung im Geröll des vor mindestens 10’000 Jahren abschmelzenden Hérens-Gletschers. Die Moräne wurde allmählich im Laufe der Jahrhunderte durch Wind und Regenwasser abgetragen. Nur an Stellen, wo einst mächtige Gneis-Blöcke von bis zu 3 m Durchmesser und bis zu 20 Tonnen Gewicht auf der Mittelmoräne gelegen haben, kam die Erosion zum Stillstand und formten die heute sichtbaren "Pyramiden".
Die weitere Rückfahrt führte uns zurück nach Saillon, wo beim gemeinsamen Abendessen der Tag ausklang.
3. Tag: Freude am Ungewissen
Mit Freude stiegen wir in einen neuen Tag voller Überraschungen. Die erste Station führte uns zur romanischen Kirche „Saint-Pierre-de-Clages“ aus dem 11. Jahrhundert, gelegen zwischen Martigny und Sion. Insbesondere werden Besucher überrascht durch eine Dekoration von Hakenkreuzmotiven auf dem Fresko des südlichen Seitenschiffs. Das Hakenkreuz gilt als uraltes, in dieser Kirche auf Christus bezogenes Sonnensymbol. Solche Symbole („Swastika“, Glücksbringer) sind in zahlreichen Formen seit etwa 6’000 Jahren bekannt.
Wieder in unsere Kleinbusse gestiegen, ging es in Richtung Genfersee, pardon „Lac Léman“, wie es in Montreux am Ursprung des Sees richtig heisst. Der nächste Halt war vor dem Schloss Chillon. Eine Führerin zeigte uns auf einem Rundgang im Schloss Chillon den Schlosskeller mit seinem Warenlager und Gefängnis und dann die schönen Säle und Gemächer früherer Regenten aus dem Hause Savoyen und später Bern. Heute ist das historische Denkmal in Waadtländer Besitz.
Es ging gegen Mittag und wir fuhren nach Yvorne zum „Maison blanche“ wo uns Philippe Gex, Weinbauer und Gemeinderat, auf der Terrasse mit fantastischem Blick auf die Waadtländer Alpen willkommen hiess. Beim Apéro – wieder einmal - stiess der ehemalige FCB-Fussballer Sébastian Barberis hinzu und der Weinbauer erklärte uns bedeutungsvoll, dass die Wallisser das Matterhorn, die Berner das Finsterahorn und die Waadtländern den Yvorne haben. Nach kurzer Fahrt zum Clos du Rocher erwartete uns in den Räumlichkeiten des Weinguts von Philippe Gex das Mittagessen mit Kartoffelsalat und heissem Schinken, selbstverständlich begleitetet von einem erlesenen Waadtländer Roten. Beim Kaffee schilderte uns Sébastian Barberis einiges aus seiner FCB-Zeit und seinem Leben.
Die Zeit für die Rückfahrt war gekommen und wir fuhren in unseren Kleinbussen nach Basel zurück, wo wir wie geplant gegen 17 Uhr ankamen. Ein perfekt organisierter Rigi voller Überraschungen endete und ein grosser Dank ging an die Organisatoren Ivo und Serano sowie an die Fahrer Thomas und Urs.
KF Peter Gubser / September 2008
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