Wanderwochenende „Rigi 11“ vom 24. - 26. August 2007
Freitag, 24.8
Kriegerischer Auftakt
Wie heisst er denn nun eigentlich: Suwaroff ? Suworof? Suvorow? oder Suworow?, dieser russische Generalissimus, der bis heute als einer der grossen Strategen der Neuzeit gilt. Eine kleine Quiz - Frage für die 16 (später 18) Kiwanis-Wandervögel die am späteren Freitagvormittag einen reservierten (und entsprechend „ antiken“) SBB-Wagen Richtung „Zigerschlitz“ bestiegen um ein wenig den Spuren des nicht nur für seine Soldaten, sondern mehr noch für die Bevölkerung der betroffenen Landstriche, entbehrungs- und verlustreichen Zuges von Alexander Wassiljewitsch Suworow’s Armee durch die Zentral- und Ostschweiz im Herbst 1799 nachzuspüren.
Das auf ein Wochenende verlängerte Meeting von Jungen und Aelteren des Basler Clubs war wie gewohnt hervorragend vorbereitet und betreut durch Frank Nyfeler und Ruedi Ritz und um es gleich vorwegzunehmen einmal mehr ein grosser Erfolg.
Eine Einstimmung auf das Wirken früher und späterer „ Reisläufer“ aus den alten Orten der Eidgenossenschaft vermittelte der Besuch des prächtig renovierten Freulerpalastes in Näfels, den wir Kaspar Freuler verdanken, dem Kommandanten des eidgenössischen Garderegiments und hochdekorierten Obristen am Hof des Sonnenkönigs in Paris: …„ ein Hauch von Versailles“ im Glarnerland.
Und dann etwas weniger glamourös in Schwanden der Besuch des Suworowmuseums: ein Blick auf die Scharmützel des sogenannten zweiten Koalitionskrieges zwischen der französischen Revolutionsarmee und der (an der Erhaltung des „ancien régime“ interessierten) wenig erfolgreichen Koalition von Oestreichern und Russen in der ohnmächtig darniederliegenden Ostschweiz als letztlich völlig leergefressenes und verarmtes „ theatre de guerre“.
Eine kuriose Ansammlung von mehr oder weniger zeitgenössischen Memorabilien, Kriegsgerät, Schlachtenbildern und Porträts des zur Zeit seines denkwürdigen Zuges (mit anfänglich 25'000 Mann) über Gotthard-, Kinzig- , Pragel- und schliesslich Panixerpass bereits siebzigjährigen Generalissimus. Ein sehr engagierter, aber wie wir später vernahmen etwas glückloser Museumsdirektor führte uns mit grossem Fachwissen durch die etwas improvisierte Ausstellung in der besonders auch die interessanten Lagekarten, der sich bei Zürich, im Kessel von Schwyz und im Gasterland gegenüberliegenden Heereseinheiten beeindruckten.
Mit weiteren Anekdoten aus der wenig bekannten, eher düsteren Geschichte unseres Landes in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts versorgte uns Hanspeter Corvini – ein heimlicher Historiker - auf der Fahrt zum lokalen „ Grand – Hotel“ auf den Höhen der der Mettmenalp, wo uns ein angenehmer Ausklang des ereignisreichen Tages mit Spaziergängen (mit Blick auf Gämsen, wie sie heute heissen), Aperitif und gemütlichem Zusammensein beim rustikalen Nachtessen erwartete, bevor wir in einer mehr oder weniger geräuschbetonten Ambiance, die manche an frühere Militärdiensttage erinnerte, dem bevorstehenden „Waggel“ auf den ersten Meilen der Suworow - Panixer - Route zwischen Schwanden und Elm entgegenschliefen.
Samstag, 25.8.
Pièce de resistance
Um sieben Uhr überall „taufrische“ Gesichter, nur ganz vereinzelt leicht vom „Nachtleben“ gezeichnet, Milchkaffee und Zubehör, Gepäck auf dem ersten Seilbahnkurs. Marschbereitschaft der verschiedenen Rotten alle mit Ziel Elm aber auf unterschiedlichen Routen:
Die Tüchtigsten sehen den Suworowweg nur von oben: Sie steigen von der Mettmenalp/Garichtensee (1600m) bergauf zum Wildmad-Furggeli(2300m)und hinunter in das Bergrestaurant Empächli 1500m (das „l“ auf keinen Fall vergessen!): Bravo, bravo,bravo!
Die weniger Tüchtigen fahren hinunter nach Schwanden(600m) und nehmen (mit Umwegen wegen Steinschlag, der den Generalissimus seinerzeit sicher wenig gekümmert hätte) den Suworowweg ( Engi 830m – Matt 850m – Elm 1000m) Richtung Panixer unter die Füsse. Bis nach Elm schafft es keiner. Trotzdem: Bravo,bravo!
Die Fusskranken spazieren ebenerdig von Engi nach Matt, freuen sich auf den Aperitif in Elm und lassen sich – mit den Aussteigern der zweiten Gruppe – vom „Lumpensammlerbus“ (erstklassig pilotiert durch Ruedi Ritz) nach Elm schaffen: Bravo!
Wie immer ist der Spaziergang ein idealer Ort zum Gedankenaustausch und in bester Kiwanismanier zum Gespräch über „Gott und die Welt“, wovon auch reichlich Gebrauch gemacht wird.
Herzliches Bravo natürlich auch für den Gepäcknachschub durch Salvatore Volante und Christoph Schubarth.
Alle die auf den Pfaden Suworows wanderten besteigen in Elm die Seilbahn zum Mittagessen im Berggasthaus Empächli mit seiner schönen Terrasse - direkt gegenüber dem berühmten Martinsloch und der Glarner Hauptüberschiebung an den Tschingelhörnern. Wirklich eindrücklich dieser Blick 300 Millionen Jahre zurück
auf diese kaum vorstellbaren erdgeschichtlichen Umwälzungen. Und das alles bei Aelplermagronen, Bratwürsten und Apfelmus bei allerschönstem Spätsommerwetter. Bravissimo!
Nach Trottinettplauschabfahrt (der Tüchtigsten !) dann wieder in Elm Fortsetzung der geologischen Weiterbildung in der Schiefertafelfabrik: Eine hervorragende Information über den - durch unsachgemässe und rücksichtslose Ausbeutung der Schieferlagerstätten - weitgehend selbstverschuldeten Bergsturz von 1881 und ein eindrücklicher Einblick in die Schiefertafelmanufaktur, einem einzigartigen Zeugnis der Glarner Industriegeschichte. Wir werden uns erinnern wenn wir das nächste Mal eine Jasstafel benützen.
Der abschliessende Aperitif mit Zigercanapés und „Birebrot“ macht uns wieder fit für die Fahrt auf den Urnerboden und den ausgiebigen „Inneren Dienst“ im schönen Hotel gleichen Namens.
Zum Nachtessen eine gemütliche Fondue (aromatisiert durch mehrere „Kirsch“) und eine nostalgische Orientierung über die Reduit Brigade 24 alter Ordonanz und einige Glarner „Müsterli“ durch Brigadier a.D. H.J.Streiff als Gast von HP Corvini
Sonntag, 26.8.
Finale con brio
Ein frohes „Im Frühtau zu Berge…“wäre zum mindesten für mich persönlich kein geeignetes Motto gewesen für die Fahrt auf den Fisetenpass in einem Seilbähnli konstruiert „aus Spucke und Haarnadeln“ wie es mir schien, das ich mit einem etwas mulmigen Gefühl um 0815h bestieg.
Das Panorama in der Höhe beim Jasstisch (mit Karten und allem Zubehör) auf 2100m machte dann allerdings alles wieder gut: viele der eindrücklichsten Zentralschweizer Gipfel auf eine Blick und unter uns das eigenartige Hochtal Urner Boden….. wer da auf die Idee kommt Karten für einen Schieber auszuteilen ??
Ein Spaziergang zum Chamerstock mit noch schöneren Ausblicken lag dann aber nicht drin denn das Postauto ist auch am Klausen pünktlich.
Um das Gepäck kümmerte sich einmal mehr Christoph Schubarth mit seinem eigenen Auto. Wir konnten es uns im „gelben Wagen“ bequem machen.
Die Fahrt über den Klausen durchs Schächental bis hinunter nach Flüelen - mit viel „tüü – taa – too“ und launig kommentiert durch den Fahrer – war für mich eine Premiere der eindrücklichsten Art. Unterhalb Spirigen natürlich wieder auf den Spuren Suworows. Deshalb dann auch der Blick nordwärts in die Höhe gegen den Kinzigpass(2100m) den er bekanntlich mit seinem Tross in Richtung Muotatal querte. Die bequeme Kinzig - Seilbahn mit Talstation neben der Strasse wie sie heute besteht wäre ihm seinerzeit sicher gelegen gekommen.
Am See Picnic auf den Parkbänken und Besichtigung u.a. der weltgrössten im Gotthardgebiet „gestrahlten“ Bergkristallaggregaten. Sehr interessant aber leider etwas billig ausgestellt, ohne jeden Kommentar zu den Exponaten.
Im Hafen erwartet uns die „Gallia“ (mit der Trikolore am Bug) und bringt uns
durch das eidgenössische Mythenland ( Rütli, Tellskapelle, Schillerstein) nach
Brunnen wo uns Christoph Schubarth zu einem grosszügigen Abschiedsumtrunk in den Park der Aeskulapklinik eingeladen hat. Dort wird die Kiwanisexkursion „Rigi 11, auf den Spuren Suworows“ mit einem Gruppenbild unseres Hoffotografen Eric Lutenauer und mit nochmaligem herzlichen Dank an die Organisatoren Ruedi Ritz und Frank Nyfeler besiegelt und endgültig Geschichte.
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